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Kritik von Benjamin Falk zu 'Blair Witch'

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Kritik von Benjamin Falk
veröffentlicht am 01.11.2016
55%
Ein Remake ist eine Neuverfilmung eines bereits existierenden, meist mehrere Jahrzehnte älteren Films.
Ein Trailer ist ein aus einigen Filmszenen zusammengesetzter Clip zum Bewerben eines Kino- oder Fernsehfilms, eines Computerspiels oder einer anderen Veröffentlichung. Der Zweck eines Trailers ist es, dem Publikum einen Vorgeschmack auf das beworbene Produkt zu geben und natürlich Werbung für dieses zu machen.
Der Marketing-Gag um diesen Film ist schon echt gelungen. Erst lässt man alle daran glauben, es handelt sich um den Film "The Woods" und auch ich habe in diesem Glauben einen Trailer dazu gesehen. Und dann bei der Comic-Con haut man heraus, dass es sich eigentlich um "Blair Witch" handelt, eine Fortsetzung zum ersten Teil. Hut ab - Diese Strategie ließ die Erwartungen enorm steigen und wenn man dann noch auf den Regisseur blickt, dann ist das nicht gerade unberechtigt. Doch "Blair Witch" entpuppt sich leider als recht fader Aufguss des Erstlings, nur dass es dieses Mal nicht mehr innovativ ist, wie dies bei "The Blair Witch Project" noch der Fall war. Immerhin sorgte man mit dem Streifen damals für einen bis heute anhaltenden Found-Footage-Boom.

James ist der Bruder von Heather, die damals in den Wäldern verschwand, als sie sich mit ihren Freunden über den Fall der Hexe von Blair informieren wollte. Weil James ein Video im Internet findet, in welchem er meint Heather zu erkennen, ruft er gleich seine Freunde zusammen. Sie packen ihre Filmausrüstung zusammen und begeben sich in die Wälder, um nach Heather zu suchen. Das Ganze kann man nebenbei wunderbar als Filmprojekt benutzen und zwei Einheimische mischen sich sogar auch noch unter die Truppe, so dass man sich sicherlich nicht verirren kann. Aber es dauert nicht lange, da schlägt die Hexe von Blair schon wieder zu.
Das als Fortsetzung zu verkaufen, ist schon arg übertrieben, denn die Handlung ist nun wirklich wenig mit dem ersten Teil verknüpft und eigentlich könnte man hier schon von einer Art Remake sprechen. Ich fand es dennoch gut, dass man dies nicht getan hat und zumindest ein paar Querverweise auf das Original stattfinden. Gerade in den Schauplätzen erkennt man doch manchmal ein paar Orte aus dem ersten Teil. Ansonsten hat die Handlung nicht gerade viel zu bieten, doch das habe ich auch nicht erwartet. Woran es mir hier jedoch etwas fehlte, waren neue Ideen, denn an sich bekommt man dasselbe Szenario wie aus dem Original, nur mit minimalen Abänderungen.

Diese Abänderungen bestehen größtenteils aus Übertreibungen. Vom subtilen Spuk ist nicht mehr viel übrig, stattdessen fährt alleine der Sound dermaßen viel Terror auf, dass sich die Wirkung darin irgendwann verliert. Adam Wingard hat sich in den letzten Jahren einen ordentlichen Ruf als Horrorregisseur aufgebaut und ich war gespannt, was er aus "Blair Witch" macht. Das Ergebnis fällt nicht unbedingt enttäuschend, aber ernüchternd aus. Man kann auch eigentlich nicht so viel herausholen aus dem Found-Footage-Genre. Immerhin hatte man ein paar gute Ideen, wie etwa die, dass es nun eine Drohne zu sehen gibt, die filmt und das erweitert dieses Genre durchaus. Es hätte mehr von solchen originellen Einfällen geben dürfen. Ansonsten ist "Blair Witch" nämlich genau so, wie man das von Found-Footage erwartet: Hektisch. Wenn da hinterher die Post abgeht, dann blickt man als Zuschauer kaum noch durch. Ist so gewollt, mag seine Wirkung haben, aber innovativ ist das nicht. Handwerklich ist das okay gemacht, doch es hat mich absolut nicht begeistert.
Das bringt die ideale Überleitung zur Atmosphäre. Auch diese ist in Ordnung und an manchen Stellen wirklich recht unheimlich, doch größtenteils ist "Blair Witch" nicht sonderlich gruselig. Hinterher wird das fast mehr zum Actionfilm und ich habe da die simplen Ideen des Originals vermisst, die sogar einen Film ab 12 Jahren gruselig machten. Es kommt ein leichtes Unbehagen auf, doch leider viel zu selten und deshalb war mir das auch deutlich zu wenig.

Die Darsteller haben in solchen Streifen selten viel zu tun und anders verhält es sich auch bei "Blair Witch" nicht. Immerhin nerven die Schauspieler nicht und spielen soweit brauchbar. Auch gut ist, dass ihre Figuren nicht nervig sind und sich nicht zu dämlich verhalten. Das hat man also gut hinbekommen, doch leider nutzt das auch nicht so viel, wenn die Charaktere dennoch völlig austauschbar sind. Da kommen keinerlei Sympathien auf und es war mir schlichtweg egal, ob die Leutchen das nun überleben oder nicht.

Nun ist der Unterhaltungswert alles in einem recht okay. Es gibt den gewöhnlichen Anfang, der noch locker ist und in dem gespaßt wird, doch der Wechsel ereignet sich recht schnell. Nach spätestens einer halben Stunde wird "Blair Witch" knochentrocken. Die Dialoge werden immer weniger und die Geräusche dürfen die Hauptrolle übernehmen. Zudem wird es nicht mehr hell und man erkennt als Zuschauer in dieser Dunkelheit selbst so wenig, wie die Macher es zulassen. Im Finale begibt man sich wieder in das Haus und das Ende selbst erinnert doch sehr an das Original. Mein Problem war damit am ehesten das, dass dabei kaum Spannung aufkam. In den knapp 90 Minuten Laufzeit geschieht zwar recht viel, aber eigentlich auch wieder nicht. Irgendwann fing ich an mich leicht zu langweilen und das spricht nun nicht gerade für einen guten Film.
Viele Effekte gibt es nicht und brutal wird es natürlich auch kaum.
Einen Score gibt es aufgrund der Machart nicht, aber wie schon gesagt, die Soundeffekte übernehmen dafür die Hauptrolle.

Fazit: Am Ende ist dieser Marketing-Gag um den Film viel spannender, als das Resultat selbst. Wingard macht zwar an sich nichts verkehrt und bedient das Found-Footage-Genre solide, aber der Funke will dennoch nicht überspringen, denn es ist nun mal nicht mehr das Jahr 1999. Ein paar coole Ideen hatte man in der Machart und das überzeugt dann auch, doch für einen ganzen Film ist das leider etwas zu wenig. Die Story selbst ist zu dünn und lässt sich fast als Remake betrachten, die Darsteller agieren zwar solide, aber die Figurenzeichnung ist völlig belanglos geworden und die Atmosphäre empfand ich nun auch nicht als berauschend. Ab und zu kommt mal ein bisschen Grusel auf, doch mir war es zu wenig und außerdem ist der Film so laut, dass jegliche subtilen Ansätze im Keim erstickt werden. Auch die Spannungskurve kann nicht bis zum Schluss aufrecht erhalten werden und so gab es für mich schon einige Längen. Ganz sicher ist "Blair Witch" kein schlechter Film und er hat seine Daseinsberechtigung, nur überzeugen konnte mich das Ganze leider zu selten!

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 Teil der Serie 'Blair Witch Project' 
 Blair Witch Project (1999)  
 Blair Witch 2: Book of Shadows (2000)  
 Blair Witch (2016)  
 Blair Witch Project 3 (Projekt eingestellt)  
 
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